the story behind my tattoos

personal story on marybeniga german blog: my tattoos - inspiration

Heart

Ich muss 19 gewesen sein.
Obwohl dieses Tattoo so winzig ist, hatte ich so viel an der Schablone zu bemängeln, dass man meinen könnte, es hätte mir Spaß gemacht, daran rumzunörgeln. Ich saß in einem Studio, über dessen Wahl ich mir keine Gedanken gemacht hatte, bei einem ziemlich unfreundlichen Tattowierer, und fragte nach jedem Vorzeichnen nochmal: „Könnten Sie das hier vielleicht noch ein bisschen ändern…?“. Ich kam mir selber schon total blöd vor, aber ich war tatsächlich davon ausgegangen, dass so ein kleines, mickriges Herz ja wohl jeder hinbekommen würde, dem war aber nicht so. Jeder hätte aus 1 km Entfernung erkannt, dass der Tattoowierer sichtlich genervt war von mir und gleichzeitig gelangweilt von meiner Tattoo Idee. Schon während des Vorzeichnens war ich aufgrund seiner Unfreundlichkeit schon so entmutigt, dass meine Lust auf das Stechen verschwindend gering wurde. Das war der Grund, warum ich das Studio nicht mehr betreten und mir in Zukunft bessere Tattoowierer suchen wollte.
Das Herz an sich ist relativ ungleichmäßig gestochen, die eine Seite ist dicker als die andere und generell ist die Linie lange nicht so fein, wie ich sie mir gewünscht hatte, aber es stört mich nicht. Es sieht mehr nach handgezeichnet aus, was okay ist. Ich wollte das Herz an die rechte Hand, weil das meine Schreibhand und stärkere Seite ist und ich mir dachte, so habe ich es noch öfter im Blick. Es soll mich immer daran erinnern, dass Liebe das Schönste und Wichtigste ist, dass Liebe allgegenwärtig ist und dass ich Liebe sowohl empfangen als auch geben kann und will. Vielleicht kitschig, aber ganz simpel.

Create

Am Tag meines Termins stand ich völlig überrascht vor dem Studio – es war geschlossen. Bei zweitem Hinsehen habe ich den Zettel mit schmieriger Handschrift an der Tür entdeckt: „Hallo Marilyn, hab dir SMS geschickt weiss net ob du hast die gekriegt. Kanns du morgen anrufen wegen neue Termin?“. Obwohl ich hätte verärgert sein können, dass ich mich umsonst auf den Weg gemacht habe, fand ich den Zettel so lustig, dass er meinen Tattoowierer für mich nur noch sympathischer gemacht hat. Bei meinem zweiten und finalen Termin, zu dem mich einer meiner Freunde, den ich in meiner Studienzeit in Münster kennengelernt habe, begleitet hat, hat es sich nochmals bestätigt: Ich mochte meinen Tattoowierer sehr. Obwohl er extrem viel geraucht hat und zittrige Hände hatte, wenn er keine Zigarette in der Hand hielt, was ich zuerst äußerst fragwürdig fand, hat er mir die feinsten Linien in die Haut gestochen, während er mir in gebrochenem Deutsch aus seiner Jugend in Polen erzählt hat und wie sehr ihn damals schon künstlerische Menschen beeindruckt haben. Dabei habe ich den Ordner angeschaut, der offen auf dem Tisch neben uns lag, mit unglaublich guten Skizzen von ihm von Dämonen, Toten und Monstern. „Ich liebe es, Monster zu zeichnen“, hat er gesagt und gelacht. Die meiste Zeit hat aber das Vorzeichnen in Anspruch genommen: über 1 Stunde für ein kurzes Wort. „Es muss perfekt werden“, hat er gesagt und mich nach jeder klitzekleinen Änderung nochmal mit einem prüfenden Blick angeschaut. Selbst nachdem ich nichts mehr zu bemängeln hatte, sollte ich noch einmal 15 Minuten Bedenkzeit haben. Das Stechen war relativ schmerzarm und ich liebe es, dass das Tattoo jetzt meinen linken Arm verziert. Ich habe mir „create“ ausgesucht, weil es ein Wort ist, das mich ausmacht. Ich sehe Kreativität überall und Künstler sind für mich die Menschen, die unsere Welt noch schöner machen. Ich habe es immer geliebt, kreativ zu sein, selbst wenn ich es nicht sein sollte und das Tattoo soll unterstreichen, was ich liebe; soll mir helfen, in Zeiten wie jetzt, in denen Kreativität in meinem Beruf nicht gewünscht ist, daran zu denken und zu glauben, dass sie hoffentlich irgendwann wieder einen Platz in meinem Alltag einnehmen wird.

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Birds

Mein allererstes Tattoo. Ich wurde 18 und hatte genaue Pläne, da ich immer wusste: sobald ich 18 bin, lasse ich mir endlich ein Tattoo stechen. 3 Monate später erschien ich zu meinem Termin, legte mich auf die Liege in dem kleinen, kargen Raum beim Tattoowierer und konnte es nicht fassen, dass es endlich so weit war.
Damals sah ich noch hinter Tattoos, die nur „zur Verzierung“ dienen sollen, keinen Sinn. So etwas wollte ich nicht haben – meins sollte eine tiefe Bedeutung haben. In diesem Fall verkörpert das Tattoo einen Großteil meiner Jugend, genauer gesagt, genau den Teil meiner Jugend, der mich geistig wahrscheinlich am meisten verändert hat, der mich schlagartig älter gemacht hat, an dem ich am meisten gewachsen bin und der für mich die schwierigste Phase in meinem bisherigen Leben darstellt. Es ist ein Familientattoo – 3 Vögel, das sind Mama, Stiefpapa und ich. Ich habe Vögel, die in Bewegung sind, gewählt, weil sie frei sind. An nichts und niemanden gebunden, völlig frei in ihrem Willen und ihren Zielen, denn das war mir besonders wichtig. Wenn ich sie anschaue, sehe ich sie manchmal nicht nur fliegen, sondern flüchten. Es ist ein Tattoo, das mich wachrüttelt.
Wenn ich zurückblicke, habe ich mich genauso verhalten, wie man es sich bei seinem ersten Tattoo vorstellt – ich hatte keine Ahnung. Keine Ahnung von der Praxis des Tattoowierens an sich, keine Ahnung, worauf ich bei der Studiowahl achten sollte, ich wusste nicht mal, anhand welchen Kriterien ich das Studio oder den Künstler aussuchen sollte, da es mir mehr oder weniger egal war. Mein damaliger Freund begleitete mich in das Studio zu der Tattowiererin, die mir seine Eltern empfohlen hatten. Mit ihrer Schablone war ich schnell einverstanden, obwohl ich es mir eigentlich viel kleiner vorgestellt hatte. Ob ich das heute bereue, damals nicht den Mumm gehabt zu haben, den Mund aufzumachen? Vielleicht. 1,5 Stunden lang habe ich die Hände meines damaligen Freundes zerquetscht, um die Schmerzen aushalten zu können, denn es hat mir höllisch wehgetan. Ich erinnere mich an die Schmerzen auf den Schulterblättern, die sich angefühlt haben, als würde jemand mit einem Messer in meine Knochen Muster einritzen. Die Tattoowiererin war die ganze Zeit über still und hat kaum gesprochen. Ich frage mich heute, ob sie selbst schüchtern war oder von Natur aus einfach ein ruhiger Mensch? Auf dem Nachhauseweg hatte ich ein weißes, großes Männershirt drübergezogen, das am Rücken komplett vollgeblutet war, als wir zu Hause ankamen. Vielleicht könnte ich das Tattoo als klitzekleine „Jugendsünde“ bezeichnen, denn obwohl ich an der Bedeutung des Tattoos festhalten möchte und mir das Sinnbild dafür an sich gefällt, finde ich es heute lustigerweise nicht besonders gut gestochen und bin der Meinung, dass es vom Stil her nicht zu mir und meinen restlichen Tattoos passt. Darum ist es nun auch das einzige Tattoo, bei dem ich über ein Cover Up nachdenke.

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Mandala

Ich weiß nicht, ob man so was wie ein „Lieblings“ Tattoo haben darf, falls ja, dann ist das definitiv meines. Und ich war wahnsinnig dankbar, dass eine meiner besten Freundinnen mich 2 Stunden zum Studio gefahren und mit mir dort den ganzen Tag verbracht hat, denn ich glaube, große Tattoos alleine stechen zu lassen ist nicht meine Stärke. Es war ein Montag, ich hätte eigentlich in der FH sitzen müssen, aber es war der einzige Termin, den ich ergattern konnte, also sind wir morgens mit Snacks im Auto losgefahren, während ich versucht habe, während der Fahrt zu telefonieren und mich am Hörer möglichst gut erkältet anzuhören, um mich von meiner Anwesenheitspflicht rauszureden. Das Studio gleicht von außen eher einem Bunker, trotz allem arbeitet dort die Tattoowiererin, deren Talent ich wirklich bestaune. Die Umsetzung meiner Idee – perfekt. Die Vorlage – perfekt. Die feinsten Linien, das detailreichste Dot Work, ich bin wie am ersten Tag Hals über Kopf verliebt in das Motiv, das noch schöner geworden ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Tattoowiererin ist nur wenig älter als ich, das Studio hing voll mit wunderschönen Entwürfen von ihr, in denen sie Symmetrie und Geometrie perfekt zu Papier gebracht hat, und mittlerweile ist es so gut wie unmöglich, bei ihr einen Termin zu bekommen – und wenn, dann nur mit langer Wartezeit, weshalb ich umso glücklicher bin, bei ihr Kundin gewesen zu sein. 4 Stunden hat sie gestochen und wir haben ununterbrochen getratscht, bis mir am Ende leider doch schleichend meine Kräfte entweichen wollten und es sich angefühlt hat, als könnte ich keine Minute länger mehr durchhalten. „Halte durch, wir sind gleeeeich fertig!“ – denn zum Schluss kam der Feinschliff, das Hervorheben einzelner Linien mit weißer Farbe. Warum ich dieses Motiv gewählt habe, kann ich dieses Mal gar nicht genau sagen, ich weiß nur, dass Dot Work für mich der schönste Stil ist, verbunden mit symmetrischen Bildern und einem runden Bild, das für Vollkommenheit steht. Es wird definitiv nicht mein letztes Dot Work sein.

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6 Comments

  1. 1. März 2017 / 17:52

    Ich weiß noch, dass ich deinen Blog lese, bevor du überhaupt das Vogel-Tattoo hattest und ich bin etwas überrascht, dass du es als „Jugendsünde“ bezeichnest. Denn ich finde es trotzdem noch sehr schön (vor allem hat es damals sehr zu deinem Namen stitched swallows gepasst). Aber dein Mandala Tattoo finde ich immer noch sehr sehr schön, erst durch dich habe ich Jessica dann verfolgt, haha 😀 Und ich wusste gar nicht, dass du noch die zwei an deinen Handgelenken hast, aber ich finde es sehr cool, dass du mit uns die Bedeutung teilst (vor allem, weil es mich damals schon sehr interessiert hat, was hinter den Vögeln steht).

    Liebe Grüße ♥
    Hang

    http://hang-tmlss.de

    • marybeniga
      2. März 2017 / 21:47

      wow, wirklich???? bin gerade echt sprachlos, dass du schon so lange mitliest!! oh das ist wirklich toll! :):):)

      ja deswegen „Jugendsünde“ in Anführungsstrichen.. ich mag es auch immer noch sehr, klar 🙂 ich würde jetzt bloß das Motiv in dem Stil nicht mehr wählen und es wahrscheinlich auch woanders machen lassen, hihi 😀 freut mich riesig wenn dir der Post gefallen hat! 🙂
      Ganz liebe Grüße zurück an dich <3

  2. Julia
    26. Februar 2017 / 23:53

    Das Mandala ist so wunderschön!! Ich glaube sogar, dass ich durch dich und dieses Tattoo auf Jessica aufmerksam geworden bin und seitdem verfolge ich ihre Arbeiten auf Instagram. Ein Tattoo von ihr wäre wirklich der Wahnsinn, wenn auch wirklich unmöglich einen Termin zu ergattern. Vielleicht eines schönen Tages. Zur Zeit mangelt es bei mir eher noch an der grundsätzlichen Entscheidung Tattoo ja oder nein. Ich habe Ideen, nur der letzte Rest Mut es auch wirklich umzusetzen fehlt noch. Ich bin da zu sehr Kopfmensch und überdenke das ganze bis ich verunsichert bin, und weiß noch nicht wie ich das abstellen kann. 😀
    Liebe Grüße,
    Julia

    • marybeniga
      2. März 2017 / 21:44

      oh ich weiß was du meinst! dasselbe habe ich zwar nicht mit tattoos, aber zB in irgendein Kleidungsstück oder so investieren – man denkt so lange nach, bis man es irgendwie nicht mehr will.. aber eigentlich schon :D:D
      ich denke der Zeitpunkt kommt von ganz allein! 🙂 haha echt witzig, ja ich glaube das Bild von dem Mandala haben damals echt viele gesehen, sie ist aber auch eine echt tolle Künstlerin 🙂
      Liebe Grüße!

  3. 26. Februar 2017 / 13:29

    Hallooo Mauli 🙂 finde alle deine Tattoos mega schön und war damals ein bisschen neidisch auf deine Vögel 😀 nicht weil ich das gleiche Motiv haben wollte, sondern weil du dich vor mir getraut hast, haha! Klingt silly aber ist so! Kann mich mit deiner Beschreibung gut identifizieren, also 1. tattoo und kein plan haben haha, deswegen ist mein erstes leider auch kacke und immer noch nicht richtig verheilt 🙁 voll der pfusch! aber liebe es trotzdem. und ich fand auch, dass es sich am schulterblatt angefühlt hat, als ob man eine schürfwunde aufkratzen würde, voll eklig 😀 dabei war es bei mir nur ganz kurz! Dein Mandala gefällt mir übrigens auch am besten und bewundere ich dich für deine Stärke das ausgehalten zu haben! Von der Bedeutung mag ich jedoch das Create am liebsten und hoffe für dich, dass du deine Kreativität nie verlierst und irgendwann wieder richtig ausleben kannst <3

    • marybeniga
      2. März 2017 / 21:42

      hahah, das hätte ich nie gedacht 😀 ja über den Knochen tattoowiert zu werden ist definitiv extrem unangenehm :/
      ohje, ja aber so Fehler macht man einfach wenn man jung ist und es nicht besser weiß, ich hoffe dass deins bald noch verheilt!! 🙂
      danke für deine lieben wünsche 🙂 <3

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